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Die Welt ist das Wunder, welches wir mit unserem Geist erschaffen - und wir erforschen diesen Geist mit unserem Geist, um zu erkennen, wie jener Geist diese Wunder bewirkt.

OANAs Magazin: 1 / 2
Meldungen, Ergebnisse, Entdeckungen und Erkenntnisse aus der Hirnforschung.
New Scientist / Juni 02 Nature Neuroscience / Juni 02 Jl of Neuroscience / Juni 02
Süsse Düfte lindern Schmerzen

Noch immer ist es rätselhaft, woraus Frauen ihre höhere körperliche Schmerzgrenze ziehen. Jetzt haben Forscher entdeckt, dass z.B. Gerüche einen Einfluss darauf haben können. Süsse oder angenehme Düfte, wie etwa Rosenduft, verhilft Frauen zu einer längeren Schmerzunempfindlichkeit als Männern. Vermindert wird sie aber bei fauligen oder anderen unangenehmen Gerüchen. Bei Männern haben Gerüche anscheinend keinen Einfluss auf das Aushalten von Schmerz.

Musiker wegen Gehirnabweichung?

Das primäre Hörzentrum, der so genannte Heschl'sche Gyrus, ist bei Profimusikern um ca. 130% größer und sensitiver im Vergleich zu Menschen, die sich gar nicht mit Musik beschäftigen. Ausserdem ist die Hirnaktivität von Musiekern nach einer Tonfolge aus verschiedenen Frequenzen mehr als doppelt so stark. Leider konnte anhand dieser Untersuchungen nicht geklärt werden, ob die Unterschiede genetische Veranlagung sind oder schlicht durch Training entstehen.

Wenig Salz macht Lust

Salzarme Kost ist anscheinend ein luststeigernder Faktor. Amerikanische Forscher fütterten Ratten mit salzarmer Kost, und nur einmal in der Woche mit einem salzigen Getränk. Bereits nach wenigen Wochen wuchsen in einem Lustzentrum des Gehirns der Tiere die Nervenzellen deutlich an. Sie hatten mehr Verzweigungen und waren ausserdem rund ein Drittel länger als normal. Die Gehirnveränderungen zeigten sich vor allem im Nucleus accumbens, der beim Menschen für Hochgefühle verantwortlich ist. Dies ist auch der Ort, an dem beim Menschen und bei Nagetieren Drogen wirken.

Behavioral Neurosc. / Mai 02 Proceedings / Mai 02 Daily Telegraph / Mai 02
Orientierung der Geschlechter

Das männliche Sexualhormon Testosderon ist verantwortlich für die unterschiedliche Orientierungsfähigkeit bei Frauen und Männern. So wirkt es anscheinend auf den geometrischen, abstrakten Orientierungssinn (wie. z.B.: "100 Meter nach rechts, dann dritte Strasse nach links..."), der bei Männern stärker ausgeprägt ist als bei Frauen. Frauen finden sich mit bildhaften Beschreibungen besser zurecht, wie z.B. "hinter der Brücke, dann an einem grossen gelben Haus vorbei...". Männer können daher auch meistens mit Stadtplänen und anderen geographische Karten besser umgehen als Frauen.

Choleriker gehirnkrank?

Choleriker sind vielleicht nicht nur psychisch krank. Sie leiden evtl. an einer Fehlfunktion im Vorderhirn. Menschen mit unkontrollierten Wutausbrüchen erzielten bei psychlogischen Tests in Philadelphia zwar bessere Ergebnisse als Patienten mit einem diagnostizierten Schaden im Vorderhirn, trotzdem waren sie immer noch deutlich schlechter als die von gesunden Menschen.

Frauen lügen besser

Frauen reden flüssiger als Männer und sind die besseren Lügner. Bei Männern sind Unterbrechungen des Redeflusses, z.B. durch Räuspern oder Fülllaute, häufiger als bei Frauen. Die Zahl der Pausen war besonders groß, wenn sich Redner mit ihren Aussagen aufs Glatteis begeben und nicht mehr die Wahrheit sagen. Abgesehen vom besseren Verständnis sind daher Frauen mit ihrem flüssigeren Redestil auch beim Lügen im Vorteil.

Psychological Science / Mai 02 Nature / Mai 02 Neuron / Mai 02
Sprache verursacht Erinnerung

Bei Test mit zwei- bis dreijährige Kindern, die gerade sprechen lernten zeigte, dass diese Kinder, wenn sie nach einem Jahr zu dem Test befrasgt wurden, die Erlebnisse mit dem damals vorhanden Sprachschatz erzählten, obwohl sie inzwischen erheblich mehr Worte zur Verfügung hatten. Es war ihnen offenbar nicht möglich, die neu dazugelernten Worte für diese alten Erinnerungen zu benutzen. Als Schlussfolgerung ergab sich daher, dass unsere ersten Lebensjahre aufgrund fehlender Sprache nicht mehr abrufbar sind.

Schlafgene entdeckt

Bei Tests mit Fruchtfliegen entnahmen amerikanische Forscher den Tieren die kürzlich identifizierten zwei Schlafgene, worauf die Tiere nach ein paar Stunden Schlafentzug sofort starben. Das eine Gen hat mit der Kontrolle unserer inneren Uhr zu tun, die den Schlafzeitpunkt hervorruft, das andere Gen ist ein Schutzfaktor vor zuviel Stress.

Vorstellung und Wirklichkeit

Neue Forschungen zeigen, dass Objekterkennung und Objektvorstellung in verschiedenen Gehirnarealen stattfindet und nicht, wie bisher angenommen in ein und derselben Region sitzt. Die Imagination aktiviert Areale im Scheitellappen und im oberen Teil der Sehrinde. Objekterkennung spielt sich dagegen im Schläfenlappen und im unteren Teil der Sehrinde ab.

Science / Mai 02 British Psych.Society / März 02 Neuron / März 02
Neurobiologie des Verlierens

US-Forscher massen die Hirnströme von Glücksspielern und stellten fest, dass Testpersonen, die hintereinander verloren, in der Folge höhere Einsätze riskierten und schwerer zum Aufhören zu bewegen waren, als ihnen guttat. Jene, die öfter mal gewannen, blieben in ihren Einsätzen vernünftig. Die Hirnströme verstärkten sich nur bei Verlierern, Gewinne waren bei den Hirnstrommessungen nicht erkennbar. Irrationale, falsche, übertriebene Entscheidungen werden vom Stirnhirn gesteuert und das ist Teil des limbischen Systems, welches für Emotionen zuständig ist. Als Folge zeigt sich, dass Verlusterlebnisse emotionaler und damit z.T. irrationaler verarbeitet werden als Gewinnsituationen.

Kauen regt das Gehirn an

Das Gehirn wird durch Kaubewegungen angeregt. Das haben britische Forscher jetzt herausgefunden. 3 verschiedene Testgruppen mussten jeweils entweder Kaugummi kauen, nur Kaubewegungen machen oder gar nicht kauen. Bei den nachfolgenden Erinnerungsaufgaben schnitt die Kaugummigruppe am besten ab, gefolgt von der mit den Kaubewegungen.

Es gibt zwei Hypothesen für dieses Ergebnis: Nach der einen erhöht das Kauen den Herzschlag, wodurch mehr Sauerstoff und Nährstoffe ins Gehirn gelangen.

Die andere These besagt, dass durch das Kauen die Produktion von Insulin angeregt wird, welches für die Senkung des Blutzuckerspiegels nach dem Essen zuständig ist. Das Insulin wiederum stimuliere vermutlich den Hippocampus; einen Bereich des Gehirns, der bei der Gedächtnisbildung eine wichtige Rolle einnimmt.

Zwei Zigarettenzüge würden genügen

Eine Lunge voll Zigarettenrauch überschwemmt die Nervenzellen des Gehirns mit Nikotin. Dadurch setzen die Gehirnzellen den Botenstoff Dopamin frei, was der Raucher als Belohnung empfindet. Innerhalb von Sekunden wird die Zelle nun unempfindlich gegenüber Nikotin. Forscher fanden heraus, dass Nikotin auch die längerfristige Feinabstimmung der Dopaminfreisetzung kontrolliert. Bei starken Rauchern steigert ein Zyklus die Aktivität der Dopamin freisetzenden Zellen. Ein weiterer Zyklus, der normalerweise diese Zellen hemmt, setzt in diesem Moment aus. Zusammen produzieren beide den starken Effekt der Zigarette. Speziell der Kreislauf, der die Nikotinfreisetzung hemmen soll, ist nach einem Nikotinstoss für etwa eine Stunde abgeschaltet. Erholt sich dieser Kreislauf, fällt das Dopamin ab und der Wunsch nach der nächsten Zigarette wird stark. Damit sind Kettenraucher, die öfter zur Zigarette greifen, mehr psychisch als physisch abhängig.

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