Anima und Animus

Ähnlicher, als man denkt...

Was uns fehlt, was wir suchen, was rätselhaft und dadurch faszinierend ist, das ist immer ein Anderer, eine Andere, ein zuerst Fremder, das Gegenstück oder die fehlende Ergänzung: mein Animus oder meine Anima. Manchmal erschreckend, weil er die tiefsten, oft genug verdrängten Bereiche unserer Seele anspricht - manchmal sehr hilfreich und zwingend nötig, weil er uns endlich Antwort auf offene Fragen geben kann.

Im Märchen wird die Suche nach der Anima, bzw. dem Animus in allen Geschichten von verzauberten Prinzessinnen oder Prinzen erzählt.
So ist der 'Froschkönig' ebenso der Animus einer selbstgefälligen, gelangweilten Prinzessin, wie es Falke und Bär bei 'Schneeweisschen und Rosenrot' oder der hässliche Unhold im 'Singenden, klingenden Bäumchen' sind. Nur unter vielen Mühen, verzweifelten Phasen und erst nach sehr langer Zeit kann der verwunschene Prinz von einer geläuterten Prinzessin (o.ä.) erlöst werden. Auch in 'Die Schöne und das Biest' wird die selbstlose Hingabe und Geduld einer schönen Frau an ein schreckliches Wesen mit dessen Erlösung und ihrer beider Glück belohnt.
Eine Anima ist dagegen z.B. in 'Dornröschen', im 'Schneewittchen', im 'Aschenputtel' oder im 'Rapunzel' versteckt. Hier gilt umgekehrt dasselbe: der eitle, hauptsächlich an Kämpfen oder sinnlosem Zeitvertreib interessierte Prinz muss sich auf den Weg - seinen Reife- und Wachstumsweg - machen, um die verzauberte Prinzessin und damit auch sich selbst zu befreien.

Dornröschen

Es kommt also nur darauf an und hängt gleichzeitig davon ab, dass zumindest einer noch viel an sich arbeiten muss - egal ob es der verzauberte Prinz ist, der Schuld auf sich geladen hat und deswegen in einem 'falschen', unpassenden Kleid, Körper, bzw. Charakter gefangen ist und erlöst werden muss oder ob es die eingebildete Prinzessin ist, die zwangsweise einen Reifeprozess durchmacht und mit Hilfe ihrer wachsenden Liebe zu einem 'unmöglichen' Partner sich selbst findet und dadurch aufgeschlossen wird für eine andere Seele - ihre Dualseele. Dann erst kann das Märchen 'wahr' werden und seine Symbolkraft für andere entwickeln.

So finden auch im Realen viele Menschen ihre Dualseele, ihren Animus oder ihre Anima oft genug nicht unter 'Ihresgleichen', sondern entweder in einem weit entfernten Land, in einer anderen Gesellschaftsschicht oder unter verbotenen, gefährlichen Umständen. Das langwierige, hartnäckige Durchhalten gegen alle Unterschiede und Widerstände auf dem Weg zur Zweisamkeit ist dann aber meistens ein besserer Garant für eine dauerhafte Bindung als ein schnelles Feuer für jemand besonders gut Passenden.

Es ist das ewige Problem in Beziehungen, dass wir eigentlich uns selbst suchen und sehr schnell sehr einnehmend auf eine jeweils neue Liebe eingehen, weil der andere uns anscheinend so ähnlich ist, so eigenartig vertraut, so ganz und gar verstehend. Wir lassen uns faszinieren, wir identifizieren uns total - um dann nach einer gewissen Zeit zu merken: das ist ja ein Fremder, ein völlig von uns Verschiedener und überhaupt nicht passend.

Denn - sucht man einen Menschen, mit dem man in jeder Hinsicht übereinstimmt, der alles versteht und in jeder Lebenslage immer zu einem selbst stehen kann - dann gibt es dafür nur eine oder einen: sich selbst. Einen anderen aber um seiner selbst willen zu lieben, das ist ein riesiger Unterschied. Sobald wir in der Lage sind, die Unterschiede (!) zwischeneinander zu lieben, heben wir die Schatten auf und betreten ein neues Paradies.

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